Garten - Imkerverei Schmallenberg

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Garten

19.10.2009

Graben oder nicht graben?

Jedes Jahr im Herbst beginnt die Zeit, den Garten „winterfertig" zu machen. Zu diesen Maßnahmen gehört auch das Umgraben der abgeernteten Beete, die dann während des Winters dem Frost ausgesetzt werden mit der Begründung, der Boden müsse dem Frost ausgesetzt werden, um im Frühjahr ein lockeres, (frost)gares Saatbeet zu ergeben. In der Natur gibt es aber nicht die regelmäßige, flächenhafte Bodenbewegung. Nur selten kommt es vor, daß der Boden vom Wild durchwühlt oder von Naturkatastrophen regelrecht heimgesucht wird.

In einem naturgemäß bewirtschafteten Garten sollte aber das Ideal des nicht bewegten Bodens so weit wie möglich nachgeahmt werden, um das Bodenleben in Form von Pilzen, Pilzgeflechten(?) und Bakterien nicht zu zerstören. Das bedeutet aber: es darf dann weder gegraben, gepflügt noch rigolt werden.

Streng genommen dürfte nicht einmal gehackt, geharkt, flach gewendet noch gehäufelt werden. Streng genommen darf auch der Boden nicht unnötig betreten oder gar befahren werden, um die für das Edaphon tödlichen Verdichtungen zu vermeiden. Der Boden hat für die Pflanzen dann einen Idealzustand, wenn er zwar in der Tiefe porös aber nicht zu locker ist.

Würden wir nun der Natur folgen, kämen wir in ein Dilemma; denn im Garten könnten wir mit der natürlichen Pflanzensukzession, die eine natürliche Fruchtfolge darstellt, nichts anfangen.

Die Lösung für den Garten sind die seit Jahrhunderten erprobten unterschiedlichen Fruchtfolgen und das Mulchen.

Mit der Mulchdecke – alle Beete gehen abgedeckt und/oder bewachsen in den Winter - geben wir dem Bodenleben zugleich Nahrung und Schutz vor Witterungsunbilden, wie großer Hitze und Kälte, Austrocknung und Vernässung. Als Mulchmaterial dient alles, was auf der Erde gewachsen ist: Gras, Heu, Stroh, Laub, Häcksel, Maishäcksel, Sägemehl, Nadeln, u.s.w.

Fruchtfolgen aber sind eine kulturelle Nachahmung der natürlichen Sukzession, eine menschliche Erfindung, um Bodenverarmung zu mildern oder gar zu verhindern.

Kommen wir zu einer Fruchtfolge, die uns die Gelegenheit gibt, den Garten mindestens sechs Jahre nicht graben zu müssen, die den Boden bedeckt und zum Teil auch im Winter grün hält

Die gesamte Nutzfläche ist in 70 cm breite Reihen aufgeteilt. So kann eventuell auch mit einem fünfziger Rasenmäher in den Reihen oder auch quer gemäht werden. Jede (dritte) Nebenreihe kann als Weg benutzt werden. Die Hauptreihen sind durch Narzissen, da sie von Mäusen nicht gefressen werden, oder andere Zwiebelgewächse, aber in Bechern gegen Mäuse, so markiert, dass sich eine Neueinteilung der Beete erübrigt. Auf diese Weise kann auch ein strenger Nutzgarten schon im Frühling zu einem Blumengarten werden.



1)Kartoffelbeet

Den Anfang bildet im Spätsommer am besten ein Kartoffelbeet, das bei der Ernte mit der Gabel automatisch möglichst tief gelockert und von störenden Dauergewächsen wie Disteln, Quecke, Löwenzahn, Ampfer, Brennessel usw. befreit worden ist.

Dieses Beet- wie alle anderen auch - hat drei Hauptreihen zu 70 cm, ist 1,40 m breit und wird dicht mit Hafer besät; denn der Hafer stabilisiert das künstlich gelockerte Bodengefüge und wächst so schnell und so dicht, dass alle anderen unerwünschten Pflanzen in seinem Schatten verkümmern. Er selbst aber erfriert im Winter, legt sich wie eine Decke auf den Boden und bietet als natürliche Mulchdecke Nahrung und Schutz für das Bodenleben. In den oberen Erdschichten sind (fast) alle Samen im Herbst gekeimt. Im Frühjahr finden wir eine weitgehend samenfreie Schicht vor, die nun aber auch nicht wieder durch Bearbeitung „saatfertig" gemacht werden darf. Denn dann würden die tiefer liegenden Samen aus der Keimruhe geweckt werden.

Am besten werden die Blumenzwiebeln vor der Einsaat des Gründüngungshafers bzw. der Salate im Abstand von 70 mal 70 cm ausgepflanzt. Der gesamte Nutzgarten blüht im Frühjahr gelb. Der Reihen- und Pflanzabstand ist günstig, da man dann auch später einen Rasenmäher einsetzen kann. Die Zwiebeln bleiben sechs Jahre bis zum nächsten Kartoffelbeet im Boden.

2)Zwiebelbeet 2

Zu bedenken: Narzissen markieren die Hauptreihen!!

Ohne jegliche Bearbeitung kommen im Frühjahr auf die Mulchdecke die ersten Eierbretter. Das sind die Palletten aus Pappe, in denen Eier angeliefert werden. Weniger günstig sind die kleineren, geschlossenen Eierbehälter, da sie ohne Löcher.

Diese Eierbretter müssen gelocht sein, damit die Wurzeln von Zwiebeln und Möhren/Petersilie/Dill, Gemüse, Blumen usw. keinen Widerstand finden und problemlos in den Boden dringen können.

In die Hauptreihen kommen die mit Steckzwiebeln oder Schalotten gefüllten und am besten halbierten Bretter, in die Nebenreihen die breiten Bretter, gefüllt mit Blumenerde, altem Sägemehl oder Sand. In dieses Füllmaterial ist vorher nach Gefühl z.B. der Möhrensamen eingemischt worden.

Das gesamte Beet kann nun zusätzlich mit altem oder auch frischem Sägemehl(1) leicht abgedeckt werden. Wenn später die selbstgezogenen Porreepflanzen fingerdick pflanzfertig sind, stößt man in beliebigem Abstand mit einer Stange tief Löcher in die Möhrenreihen und senkt vorsichtig die Porreepflanzen in die Erde. Sie müssen nicht angedrückt werden, können aber leicht mit Pflanzenjauche angegossen werden.

Von nun an kann man ohne Jätearbeiten bis zur Ernte die Pflanzen sich selbst überlassen. Es wird kaum „Unkraut" keimen.

Im Juni ab Sommersonnenwende wird in die Zwiebelreihen alle 70 cm ein einziges Weizen-, Dinkel- oder Roggenkorn gelegt(2). Diese Pflanzen bestocken sich als Einzelpflanzen sehr stark und bedecken nach der Zwiebel- und Möhrenernte fast das gesamte Beet. Abgedeckt mit zerkleinertem Mulchmaterial und untersät mit Weißklee, geht das Beet dann in den Winter. Die frühe Einzelkornaussaat von Wintergetreide zur Sommersonnenwende im Garten halte ich für äußerst wichtig, um einmal das Staunen über die geradezu unglaubliche Bestockungspotenz des Getreides erleben zu können.

3.)Getreide/Gemüsebeet

Zu bedenken: In den Hauptreihen stehen die Narzissen zur Markierung!!

Im kommenden Frühjahr wird der Roggen/Weizen - falls nicht schon im Herbst geschehen - mit Weißklee untersät. Wird kein Wert auf eine Körnerernte gelegt, werden die Stauden nach der Erdbeerblühte geschnitten, um den reifenden Erdbeeren als Unterlage zu dienen. In die Nebenreihen wird Gemüse gepflanzt, das jetzt vom Klee unterwachsen wird. Sind die Gemüsepflanzen groß genug, lohnt sich später noch eine Breit-Einsaat von Sommerwicke/Kichererbsen, die ruhig das Gemüse überwachsen können, da sie so einen leichten Frostschutz bildet. Zum Winter wird das Beet zusätzlich mit Abdeckmaterial versehen

4.)Leerbeet 3



Zu bedenken: In den Hauptreihen stehen die Narzissen als Markierung!!

Im nächsten Jahr werden alle Haupt- und Nebenreihen des leeren Beetes mit Spinat besät und/oder mit Salat in Töpfen(3) besetzt. Aber auch hier bieten sich wieder die Eierbretter an. Der Samen wird wieder mit steriler Erde oder Sägemehlkompost gemischt. Die Eierbretter können leer oder vorher gefüllt aufs Beet gebracht werden. In die Hauptreihen werden Anfang Juli die neuen, in Bechern(3) vorgezogenen Erdbeerpflanzen im Wechsel mit einer Porreepflanze gesetzt. In die Nebenreihen kommt feinlaubiger Kohlrabi. Nach dessen Ernte erfolgt die Aussaat von Feldsalat, diesmal besser in Plastikpaletten(4). Die Ernte erfolgt wie üblich oder durch Hochreißen der Palette.

5.)Erdbeerbeet Nr.1

Zu bedenken: Narzissen markieren die Hauptreihen!!

Im Frühjahr werden die Erdbeerreihen am besten mit Moos vom eigenen oder Nachbars

Rasen, mit Nadelstreu und Zweigen von Weihnachtsbäumen oder mit altem Sägemehl vom Sägewerk gemulcht. Im Mai kommen in die Nebenreihen (am besten vorgezogene) Buschbohnen. Das gesamte Beet sollte (oder muß) dann noch wegen der Spätfröste mit Vlies(5) abgedeckt werden. Nach der Ernte stellt sich die Frage, ob ein- oder zweijähriger Erdbeeranbau gewählt werden soll. Bei einjährigem Anbau – er ist wegen der hohen Ernte und der Qualität der Früchte der beste- wird in die Erdbeerreihen Gemüse gepflanzt. Die Erdbeerstauden werden gerodet oder mit dem Rasenmäher gemäht und dienen als Mulch.

6.)Erdbeerbeet Nr.2 4

Zu bedenken: DIE REIHEN WERDEN DURCH NARZISSEN MARKIERT

Sollten die Erdbeeren erst im August gepflanzt worden sein, bringen sie keine Vollernte, sie sollten dann noch ein Jahr länger stehen bleiben. Die Zwischenreihen werden gemulcht und zum Ende der Ernte mit all den bekannten Kohlarten bepflanzt. Die Erdbeerstauden dagegen werden gemäht oder flach abgehackt und liegengelassen. Auf diesem Beet können jetzt alle anfallenden Gartenabfälle als Mulchmaterial verwertet werden. Gemüse ist sehr dankbar für eine Mulchdecke.

7.)Leguminosenbeet

Zu bedenken: NARZISSEN MARKIEREN DIE HAUPTREIHEN.

In die Hauptreihen kommen Erbsen und Dicke Bohnen als Randpflanzung, ein Baugitter kann zusätzlich als Abstützung dienen, in die Nebenreihen Möhren, Petersilie, Dill oder Rote Bete. Alles in Eierbrettern, die bei der Ernte schon weitgehend verrottet sind.

Oder es kommt Sellerie im Wechsel mit Blumenkohl auf Dämme(6), die langsam abgehäufelt werden, oder in umgedrehte Blumentöpfe(7). Durch das Abziehen der Dämme bekommt der Sellerie nur einen kleinen Wurzelschopf.

Möglichst früh im Herbst – für Hafer ist schon etwas spät – wird ein Gemisch von Winterwicke plus Roggen oder Weizen dicht gesät. Das Beet geht dann grün in den Winter. Roggen ist eine hervorragende Vorfrucht für Kartoffeln.

8.)Kartoffelbeet

Die Kartoffeln werden zusammen mit einer Dicke-Bohne in ein Loch zwischen die Narzissen unter die Mulchdecke gelegt. Die Zwischenreihen können mit Spinat/Melde besät werden, da keine Häufelung erfolgt, wohl aber eine eventuelle Überhäufelung der Kartoffeln mit feinem Kompostmaterial. Das Beet kann so den Anschein erwecken, als wäre es mit Maulwurfshaufen gespickt. Der Spinat kann später geerntet oder als Mulchmaterial genutzt werden. Die Narzissen werden schon vor den Kartoffeln ausgegraben. So erfolgt erst nach sechs Jahren durch die Rodung der Kartoffeln die erste tief greifende Bodenbewegung. Anschließend werden wieder Narzissen gesetzt und mit Hafer, Salaten oder Stielmus übersät.


5. Das Vlies 10

Das Vlies dürfte das beste Material zum Abdecken sein; denn es ist leicht an Gewicht, genügend wasser- und lichtdurchlässig, Frost abwehrend, wärmend und hebt sich schon bei leichter Luftbewegung von den Pflanzen. Unbefriedigend gelöst aber ist noch die Festlegung an den Boden mit Hilfe von Steinen, Latten, Haken u.s.w.

Hier ein Lösungsvorschlag,der sich sehr gut bei mir bewährt hat.

Die Ränder einer Vliesbahn werden um eine Maurerschnur gebördelt und mit kleinen Wäscheklammern oder besser mit Heftklammern befestigt. An den Enden der Schnur befinden sich Stöcke, Stangen…, die in die Erde gesteckt werden. Die Schnur wird nun wie eine Padleine (Beetschnur) straff gespannt. Nach Bedarf kann auch in der Mitte erhöht eine Schnur gespannt werden. So hat man ein kleines Dach über dem Beet gebildet. Eine Person kann so ohne größere Schwierigkeiten durch Lösen der Pflöcke an einer Seite der Bahn das Beet in Sekunden freilegen – am besten gegen den Wind.
6. Dammkultur

Die Dammkultur ist am besten bekannt im Kartoffelanbau. Hier hat sie den Zweck, den Kartoffelanbau ertragreicher zu machen und ein Grünwerden der Knollen zu verhindern. Ein Nebeneffekt ist die Unkrautregulierung und der Frostschutz. Aber auch im Gemüseanbau hat diese Art der Bodenbearbeitung ihre Vorteile. So wird die Standfestigkeit der Pflanzen erhöht und eine weitere Wurzelbildung kann erfolgen. Beim Sellerie aber ist ein zu starkes Wurzelwerk nicht erwünscht, da es bei der Ernte zu hinderlich ist. Er wird auf den Damm gesetzt. Durch langsames Abhäufeln des Dammes wird erreicht, daß die Knolle oberhalb des Erdbodens frei wachsen kann. Schon mit einem einzigen Schnitt ist dann bei der Ernte das Wurzelwerk von der Knolle zu trennen. Die Wurzeln verbleiben in der Erde.

Den gleichen Effekt kann man auch erreichen, wenn man einen zehner Blumentopf durch ein größeres Bodenloch umgekehrt bepflanzt.

8. Pillieren

Sehr oft sind Samen zu klein, um sie gleichmäßig aussäen zu können. Oft möchte man auch einen genauen Reihenabstand haben, was aber nur mit großen Samen befriedigend gelingt. Eine Methode, kleine Samen zu „vergrößern", ist das Pillieren.

Man nimmt ein Stück Töpferton, Lehm oder Mehlteig und rollt auf einer Platte daraus einen etwa einen 1 cm dicken Strang. Diesen Strang nimmt man zwischen Daumen und Zeigefinger

und tupft dann auf ein Samenkorn. Mit der anderen Hand wird ein kleines Stück des Stranges zusammen mit dem Samenkorn abgekniffen und eventuell kurz zu einer Kugel gerollt. Getrocknet halten diese „Samenpillen" ewig. Man kann aber auch in den nächsten Stunden kdie „Pillen" auslegen. Sogar kleinen Kindern macht diese Methode großen Spaß.




 
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